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2011

Bericht über die Reise vom 3. Nov. bis 12. Dez. 2011 nach Haiti

Abmarsch zum Mittagessen
Abmarsch zum Mittagessen
Nachgeholtes Frühstück in der Direktion
Beim Mittagessen in der Kantine wird jeder Teller leer
 
 Mädchen beim Seilchenspringen
Baubeginn für die Schattenhalle
Rohbau der neuen Sanitäranlagen

Ki gen ou je ?        Pa pi mal!

Das ist Kreol und bedeutet: Wie geht es Dir? Antwort: Nicht schlecht!


Kreol und Französisch sind die Sprachen von Haiti und mit dieser netten Floskel kann ein Neu-Ankömmling in Haiti schon etwas punkten. Als Mitglieder des AK-Eine Welt Köln-Weiß waren Margret B. und Siegfried G. im vergangenen November/Dezember vor Ort und wollten für den AK-Eine Welt ein Bild über die Situation nach dem fürchterlichen Erdbeben gewinnen. Der AK unterstützt seit mehr als 30 Jahren mit Hilfe von Spendengeldern u.a. ein Straßenkinderprojekt der Salesianer in der Hauptstadt Port-au-Prince und ein Schulprojekt in Jérémie, einer Provinzstadt mit inzwischen rd. 100.000 Einwohnern, ca. 250 km westlich der Hauptstadt.

 

Haiti gehörte schon vor dem Unglückstag, dem 12. Januar 2010 zu den ärmsten Ländern der westlichen Hemisphäre. Hier gibt es im Gegensatz zum Nachbarstaat  Dominikanische Republik mit der Ausnahme von einem Kreuzfahrtschiff-Liegeplatz keinen Tourismus mehr.

Große Stadtteile von Port-au-Prince liegen auch jetzt noch "in Schutt und Asche", obwohl schon viele Aufbaumaßnahmen im öffentlichen Bereich in Gang gekommen sind. Viele Menschen hausen noch in "Zeltstädten" weil ihre Häuser und Hütten zerstört sind und Hilfsgelder an "Privat" nicht vergeben werden. Auch wenn in der Zeit nach dem Beben kein wesentlicher Hurrikan Haiti heimsuchte, nutzen die Zelte oder Gerüste mit Planen bei den üblichen tropischen Regenfällen auch nicht viel.

 

Jérémie, wo beide AK-Mitglieder fünf Wochen Logier-Gäste des Maristen-Ordens waren, wurde zum Glück von dem schrecklichen Erdbeben weitgehend verschont. Die Auswirkungen  waren jedoch auch hier zu spüren: Die Schülerzahl an der Montessorischule Ste. Thérèse stieg von 168 Schülern im Jahr 2009 auf nunmehr 302 Schüler, weil viele obdachlose Familien per Schiff aus der Hauptstadt in die Provinzstädte evakuiert wurden. Die Schule, deren Lehrergehälter der AK finanziert, ist seitdem stark überbelegt. So sitzen beispielsweise 63 Schüler der Klasse 1 nur durch einen Vorhang getrennt im gleichen Raum mit den 43 Schülern der Klasse 2. Die Effektivität des Unterrichts ist dadurch zwangsläufig sehr eingeschränkt, obwohl das Kollegium engagiert ist.

Damit die Schüler wenigstens eine warme Mahlzeit pro Tag erhalten, zahlt der AK auch die Kosten für das Mittagessen. Alle Kinder und Lehrer erhalten ein frisch zubereitetes Gericht wie z. B. Reis mit Bohnen, Mais mit Bohnen oder Nudeln u.ä. Die Kosten für diese Grundnahrungsmittel sind durch Spekulation in den letzten Jahren stark gestiegen.

Da die Cholera immer noch nicht besiegt ist und auch in Jérémie eine Isolierstation existiert, ist es wichtig, besonderen Wert auf Hygiene zu legen. So waren wir froh, endlich den Bau einer Sanitäranlage mit ausreichenden Toiletten, Waschbecken und  Duschen ab Mitte Dezember auf den Weg zu bringen, eine wesentliche Errungenschaft für die Schüler, Lehrer und das Küchenpersonal an der Schule.

Um die Platzsituation zu entzerren, wird auch gleichzeitig eine Schattenhalle gebaut, wo Schüler in Zukunft gruppenweise in Musik unterrichtet werden können und dabei nicht der prallen Sonne ausgeliefert sind. Selbst jetzt im "Winter" mit gemäßigten Temperaturen zeigte das Thermometer oft über 30 Grad C Im Sommer ist es noch heißer mit bis zu 40 Grad C. Dazu kommt die oft unerträglich hohe Luftfeuchtigkeit.

Was Margret und Siegfried von ihrer Reise in Erinnerung geblieben ist, das sind die Gegensätze in Haiti: Das reichhaltige Angebot mit heimischen Produkten auf dem Markt in Jérémie, jedoch geringe oder keine Einkommen wegen der hohen Arbeitslosenzahl; die Armut gegenüber dem Wohlstand einiger Priveligierter, das Chaos und der Müll und die immer noch vorhandene Schönheit der Karibik mit ihren liebenswerten Menschen.

Trotz der langjährigen Unterstützung ist noch vieles im Argen wie z.B.eine funktio­nierende Müllentsorgung in den Städten ebenso wie Kläranlagen, die bisher von den großen internationalen Hilfsorganisationen offenbar noch nicht in Angriff genommen wurden.

Die lebensfrohen, freundlichen Kinder und ihre Lehrer in Jérémie und Port-au-Prince sind weiterhin auf Hilfe von uns angewiesen. Haiti ist ein Land, das "unter die Haut geht" und einen nicht gleichgültig lässt.

M.B. S.G.